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Einer alten Quäkertradition folgend wurde auch auf der Mitgliederversammlung der diesjährigen Jahresversammlung eine Epistel verfasst und beschlossen. Sie beginnt, mit den Worten
An die Freundinnen und Freunde in aller Welt. . .
zu unserer 79. Jahresversammlung trafen sich vom 15. bis 18. Oktober 2009 im Haus Venusberg in
Bonn 206 Freundinnen und Freunde, davon 48 Kinder und Jugendliche, 8 Delegierte aus anderen Jahresversammlungen und 19 andere ausländische Gäste. Von schönen alten Bäumen umgeben, fand unser Treffen in einer würdevollen Atmosphäre statt.
Am Anfang erhielten wir Einblick in viele Episteln anderer Jahresversammlungen und waren besonders beeindruckt von der Erweiterung des Quäker-Grundgedankens, den die Versammlung der nordischen Jahresversammlungen gefunden hat. Im Interesse von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, thematisiert sie das von Gott in der Natur.
Das Thema unserer Cary-Vorlesung, gehalten von unserem Chemnitzer Freund Eberhard E. Küttner
am 76. Jahrestag des Todes von Richard L. Cary, war: Interreligiosität – Die Suche nach der Einheit in der Vielfalt. Dabei ließ er uns an seiner lebenslangen Suche nach Wahrheit teilnehmen und kam zu der Erkenntnis, dass religiöse Wahrheit überall dort ist, wo alle, die suchen, auf unendlich vielen und unterschiedlichen Wegen zu ihrer Wahrheit finden.
Seine Vision einer inter-religiösen Gesellschaft der Freunde fand großen Anklang und wurde mit Dankbarkeit aufgenommen. Die Begegnung mit dem Einen – dem Namenlosen mit den zahllosen Namen auf zahllosen Wegen innerhalb und außerhalb des Christentums war dann auch das anregende Thema verschiedener Arbeitsgruppen.
Wie schon im vergangenen Jahr begegneten wir einander an zwei Tagen in Interessengruppen, die
für alle Altersgruppen offen waren und in großer Zahl angeboten wurden. Parallel zu den
Gesprächsgruppen zur Jahresversammlung wurden spezielle Themen behandelt, die einzelnen
Freunden besonders am Herzen liegen. Es wurden auch Freundschaftsbänder geknüpft oder
Volkstänze eingeübt. In zwei Gruppen wurde die Natur in unser Bewusstsein gerückt: In einem
Waldspiel haben wir mit Früchten des Waldes ein Labyrinth aus Laub gelegt und einen Turm der
Hoffnung errichtet. Auf einer Expedition in die Welt der Bäume suchten wir auch hier nach der
Einheit in der Vielfalt. Wie stark der Wunsch unter uns nach einer neuen und vertieften
Begegnungsmöglichkeit ist, zeigte sich daran, dass unter den 38 Angeboten zu allererst eine Gruppe
zur Übung Intuitiver Wahrnehmung belegt war: Was erfahren wir von anderen, wenn wir ihnen
aufmerksam in die Augen schauen und vielleicht ihre Seele erkennen?
Es wurden drei verschiedene Andachtsformen angeboten, damit alle, Jung und Alt, eine ihnen
gemäße Form finden konnten. Neben der herkömmlichen Stillen Andacht gab es das Angebot zum
Gespräch aus der Stille sowie eine Andacht, in der wir in der Natur und mit Naturmaterialien ein
Mandala legten.
Die Quäkerjugendlichen begegneten einander und den älteren unter dem Motto Es ist normal,
anders zu sein. Mit der Osterfreizeit 2009 und der Kanufreizeit zu Pfingsten hat sich bei ihnen das Gefühl verstärkt, eine große Gruppe zu sein, in der jeder mit jedem kommuniziert, in der es egal ist, wie groß der Altersunterschied ist und in der niemand dem anderen etwas beweisen muss. In ihren
diesmal grünen T-Shirts bewirteten sie uns wieder mit nicht-alkoholischen Getränken aus der „Wunder-Bar“.
In unserer Schlussversammlung haben wir einmütig dem Antrag einer Gruppe von Freundinnen und
Freunden zugestimmt, die politischen Entscheidungsträger unserer künftigen Regierung zu bitten, die
Wehrpflicht abzuschaffen, keine Berufsarmee einzurichten und stattdessen Mittel für die zivile
Konfliktbewältigung bereitzustellen.
Wir grüßen die Freundinnen und Freunde in aller Welt und insbesondere diejenigen in den Ländern,
deren Bürger unter kriegerischen und ausbeuterischen Handlungen und Hunger leiden : Wir halten
sie im Licht. |