|
In diesem Buch Christi Worte - Eine Phänomenologie der Sprache und Offenbarung, übersetzt von Maurice de Coulon, Quäker und von 2003 bis 2008 Schreiber der deutschen Jahresversammlung, zeigt Michel Henry in bestechender Manier, wie Jesus über die menschliche Sprache von der wahren Sprache Gottes, vom Wort Gottes, „das am Anfang war“, spricht, und welches ihr wahrer Ausdruck als Manifestation des Lebens ist.
Er weist auf, weshalb das Wort Gottes eigentlich nichts anderes ist, als die von jedem Lebendigen erfahrene Regung ist, die sich seiner ergreift und ihn nur als „Lebensempfänger“, als vom Leben Erzeugter zum Subjekt seines Wirkens macht.
Es ist immer wieder erstaunlich wie sehr die hier transparent werdende Wirklichkeit des Wort Gottes dem entspricht, was wir als die „Innere Stimme“ bezeichnen, die ja nichts anderes ist, als was uns in der Tiefe bewegt und zum Handeln führt. D.h., nicht die Worte, die wir benutzen, um uns miteinander zu verständigen, sprechen die Sprache Gottes, sondern unser ganzes Erleiden, unser ganzes Erfreuen, unser ganzes Tun, ist Ausdruck von Gottes Wort als das Leben, als das er sich in der Welt, in Jesus als „Erstlebendigen“ und in dessen Nachfolge in uns, selbst offenbart.
Der Übersetzer ergänzt:
Im Zuge meines späten Sozialpädagogikstudiums (1996-99) hat mich mein Philosophieprofessor dazu angeregt, mich mit Michel Henry zu beschäftigen, da ich ihn ja in meiner Muttersprache lesen und vielleicht deshalb zu einem noch besseren Verständnis seines Denkens beitragen könnte. Als ich mich an sein Hauptwerk „Ich bin die Wahrheit – Eine Philosophie des Christentums“ begab, wurde ich von Seite zu Seite nicht nur erstaunter, sondern begeisterter.
Darauf folgten einige Seminare bei Rolf Kühn, der bei Henry studiert, promoviert und habilitiert, und bisher alles von ihm ins Deutsche übersetzt hatte. Kühn ist für den deutschen Sprachraum der eminenteste Henry-Kenner. Anlässlich meines letzten Seminars mit Rolf Kühn, fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, das letzte, was Henry noch gerade vor seinem Tod (2002) geschrieben hatte, zu übersetzen.
Ich „nahm den Bettel auf“ und war überrascht, dass es mir weniger Schwierigkeiten bereitete, als ich es zunächst befürchtet hatte.
Jetzt bin ich sehr glücklich darüber, einen ansehnlichen Beitrag zur Vervollkommnung des Werkes Michel Henrys in deutscher Sprache geleistet zu haben und auch als Quäker für die Verbreitung eines religionsphilosophischen Ansatzes sorgen zu können, der eine fundierte gedankliche Basis für eine unter den Freunden mehr intuitiv erfahrene und noch sehr zaghaft bezeugte nicht-theistische „Mystik des Lebens“ darstellt.
 |